EXTRA HOHE HÄUSER: HHX

Brandschutz Neubewertung beim Neubau von Wohngebäuden ab 7 bis 30 m Höhe
im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau


Deutschland benötigt dringend mehr bezahlbaren Wohnraum. Das Internationale Symposium des BMUB Brandschutz in Wohngebäuden hat 2017 auch das Themenfeld Brandschutz als einen Kostenfaktor mit Kostensenkungspotential identifiziert und den Forschungsbedarf bestätigt für einen zielgerichteten Brandschutz mit Augenmaß.


Die optimale Flächenausnutzung stößt zunehmend auf bauordnungsrechtliche Grenzen in Bezug auf den Vorbeugenden Brandschutz in Kombination mit der Ausnutzung der zulässigen baulichen Dichte in urbanen Gebieten. Es ist daher dringend erforderlich, diese Grenzen systematisch zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen sowie den verloren gegangenen Dialog mit den entscheidenden Akteuren wieder aufzunehmen, um vorhandene praxisnahe Lösungsansätze zu doku¬mentieren und neue Lösungsansätze zu entwickeln und abzustimmen, für extra hohe Häuser.
Städtebauliche Hybride mit akzentuierten Hochpunkten und moderate Wohnhochhäuser mit 10-12 Geschossen versprechen neues Potential abhängig vom städtebaulichen Kontext und lokalen Maßstäben in Groß- und Mittelstädten.
Auf kommunaler Ebene kann es z.B. bei sehr engen Straßenverhältnis¬sen im öffentlichen Raum dazu kommen, dass Einsatzgrenzen der örtlichen Feuerwehren die öffentlich-rechtlichen Regelungen weiter verschärfen, z.B. mit der Forderung nach einem zweiten baulichen Rettungsweg auch für Gebäude unter der Hochhausgrenze, d.h. mit mehr als 7m bis zu 22 m Fluchtniveau, da eine Anleiterung und folglich der zweite Rettungsweg nicht einfach über Hubrettungsgeräte der Feuerwehr sichergestellt werden kann. Moderate Anforderungen an Sicherheitstreppenräume (SiTR) für Gebäudehöhen ab 7 m bis 30 m Höhe könnten hier Abhilfe schaffen. Der Bericht der Baukostensenkungskommission kommt bereits im November 2015 zu dem Schluss, dass die technischen Anforderungen an innenliegende Sicherheitstreppenräume unterhalb der Hochhausgrenze unverhältnismäßig erscheinen.


Ziel des Forschungsvorhabens ist es zum einen den Planern und Genehmigungsbehörden vorhandene und neue Lösungsstrategien für brandschutztechnische Anforderungen an Wohngebäude unter der Hochhausgrenze systematisch aufzuzeigen.
Ziel ist es zum anderen ausgewählte aktuell maßvoll verschärfte Verwaltungsvorschriften für Gebäude über der Hochhausgrenze (u.a. in Berlin, Hamburg, Hessen) anhand aktueller Praxis zu analysieren und weitere Potenziale für „Hochpunkte“ bis zu 30 Metern auszuloten.
Die systematische Erfassung der Anforderungen an Sicherheitstreppenräume (SiTR) soll praxisnahe Lösungsansätze liefern für Gebäude unter 22 m Höhe, vor allem in Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt, vor allem in den deutschen Städten (aktuell 109 von insgesamt 2054) mit einer qualifizierten Berufsfeuerwehr (d.h. in der Regel ab einer Grenze von 100.000 Einwohnern).
Neben bautypologischen Analysen und vergleichenden Betrachtungen beispielhafter Fallstudien aus dem In- und Ausland ist die Erarbeitung zukunftsweisender Gebäude- und Planungskonzepte im Geschosswoh¬nungsbau für Gebäude mit mehr als 7 m bis zu 22 m Höhe, bzw. etwa 30 Meter Höhe vorgesehen.
Die Ende 07.2020 verabredete Doppelstrategie zielt darauf sowohl exemplarische Muster-Abweichungsvorlagen (≥ 3 MAV) als Diskussionsgrundlage für einen zukünftigen MAV-Katalog zu entwickeln (Bottom-up), als auch einige aussagekräftige Empfehlungen für die Fortschreibung der Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR, 2008) zu sammeln (Top-Down). Im Endbericht werden dazu die systematisch ausgewerteten leitfadenbasierten Einzelinterviews mit ausgewählten Experten aus der Wohnungswirtschaft (≥ 6) auszugsweise dokumentiert (qualitative Umfrage).


Bearbeitungszeitraum: 01.05.2019 bis 30.04.2021
Antragsteller: Prof. Andreas Meck
Initiative, Projektakquise und Begleitung: Prof. em. Dr. Thomas Jocher


Projektleitung (seit 08.2020): Prof. Karin Schmid
Stv. Projektleitung, Bearbeitung Konzeption Wohnbau (seit 05.2019):
Dipl.-Ing. Arch. Erika Mühlthaler, HM, FK 01
Bearbeitung Konzeption Brandschutz:
M.Sc. Thomas Engel mit M.Sc. Patrick Dumler, TUM, Fakultät Bau Geo Umwelt


Studentische Hilfskräfte: Johanna Schultze, Ricarda Hörmann HM, FK 01
Umsetzung der Online-Umfrage: Daniel Sponheimer


Adresse


Karlstraße 6, 80333 München
Tel.: 089 1265-26 25
E-Mail: architektur@hm.edu