Hochhaus light: HHL

Brandschutz Neubewertung beim Neubau von Wohngebäuden ab 7m bis 30m Höhe
im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau


Deutschland benötigt dringend mehr bezahlbaren Wohnraum. Bereits im Rahmen des Internationalen Symposiums des BMUB Brandschutz in Wohngebäuden wurde im Februar 2017 das Themenfeld Brandschutz als ein Kostenfaktor mit Kostensenkungspotential identifiziert.
Die optimale Flächenausnutzung stößt zunehmend auf bauordnungsrechtliche Grenzen in Bezug auf den Brandschutz in Kombination mit der Ausnutzung der zulässigen baulichen Dichte in urbanen Gebieten. Moderate Wohnhochhäuser mit etwa 10 Geschossen bieten hier Potential. Es ist daher dringend erforderlich, diese Grenzen systematisch zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen, um im Dialog mit den entscheidenden Akteuren neue praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln.
Der starke Flächendruck auf die Innenstädte führt zu einer kritischen Flächenüberlagerung. Flächen für öffentliche, gemeinschaftliche und private Nutzungen treten zueinander in Konkurrenz. Der steigende Kosten- und Effizienzdruck ist besonders kritisch, da Nutzungsüberlagerungen wie Parkierung, Vegetation, Oberleitungen, Bebauungsdichte und Baustellen in Verbindung mit den Einsatzgrenzen der Hubrettungsfahrzeuge der Feuerwehr die Schutzziele der Landesbauordnungen (LBO) betreffen. Schon heute kommt es in verdichteten und durchmischten Innenstädten, bei kompakter Bauweise, mit ausladenden Straßenbäumen, überfüllten Parkplätzen, zusätzlich verschärft durch den weiteren Ausbau eines attraktiven ÖPNV mit Straßenbahnen zu Behinderungen beim Einsatz der Feuerwehr.
Sowohl von Seiten der Planer als auch von Seiten der Genehmigungsbehörden lassen sich Unsicherheiten bei innerstädtischen Fragestellungen erkennen. Ein Beispiel hierfür ist die bauordnungsrechtliche Forderung nach einem zweiten Rettungsweg. Diese Forderung ist unzweifelhaft sinnvoll. Auf kommunaler Ebene kann es z.B. bei sehr engen Straßenverhältnissen im öffentlichen Raum dazu kommen, dass Einsatzgrenzen der örtlichen Feuerwehren die öffentlich-rechtlichen Regelungen weiter verschärfen. Die Feuerwehr fordert dann mit Berufung auf die LBO einen kostentreibenden zweiten baulichen Rettungsweg auch für Gebäude unter der Hochhausgrenze, d.h. mit mehr als 7m bis zu 22m Fluchtniveau, dem Fußbodenniveau eines möglichen Aufenthaltsraumes, da eine Anleiterung und folglich der zweite Rettungsweg über Hubrettungsgeräte der Feuerwehr nicht sichergestellt werden kann. Wird dieses Problem im Projektverlauf zu spät adressiert, führt dies zu Planungs- und Bauverzögerungen sowie zu Baukostensteigerungen. Moderate Anforderungen an Sicherheitstreppenräume (SHR) für moderate Wohnhäuser ab 7m bis 30m Höhe könnten hier Abhilfe schaffen.
Der Bericht der Baukostensenkungskommission kommt bereits im November 2015 zu dem Schluss, dass die technischen Anforderungen an innenliegende Sicherheitstreppenräume unterhalb der Hoch-hausgrenze unverhältnismäßig erscheinen.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es zum einen, den Planern und Genehmigungsbehörden neue Lösungsmöglichkeiten für brandschutztechnische Anforderungen an Wohngebäude unter der Hochhausgrenze aufzuzeigen. Eine Grundbedingung für bezahlbares Wohnen und Bauen in Verbindung mit einer hohen Sicherheit für Bewohner und Feuerwehr ist ein zielgerichteter Brandschutz mit Augenmaß.
Ziel ist es zum anderen, vereinfachte Rahmenbedingungen für ein Hochhaus „light“ mit einer Höhe bis zu 30m zu definieren, die eine maßvolle Verschärfung des Baurechts unter Wahrung der Sicherheitsbelange vorsehen. Gleichzeitig soll die Präzisierung und Differenzierung der Anforderungen an den SHR auch für Gebäude unter 22m Höhe praxisnahe Lösungsansätze liefern. Während die Anforderung der Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR, 2008) für mindestens zwei SHR bislang für Wohnhochhäuser mit mehr als 60m Höhe festgeschrieben ist, ist für Hochhäuser bis zu 60m ein SHR zulässig.
Das Forschungsprojekt untersucht vereinfachte Lösungsansätze für moderate Hochhäuser, d.h. mit deutlich weniger als 60m Höhe, u.a. auch Neubauten in Österreich von nicht mehr als 32m mit nur einem Sicherheitstreppenraum Stufe 1. Als ausreichend zur wirksamen Einschränkung vertikaler Brandübertragung gilt dafür entsprechend der erläuternden Bemerkungen zur im März 2015 veröffentlichten OIB-Richtlinie 2.3 Brandschutz bei Gebäuden mit einem Fluchtniveau von mehr als 22m , dass „zwar ein Rettungsweg über die Drehleiter in der Regel nicht mehr sichergestellt werden kann, jedoch der Löschangriff von außen bei entsprechender Zugänglichkeit für die Feuerwehr noch möglich ist“.
Neben bautypologischen Betrachtungen und Analysen beispielhafter Fallstudien aus dem In- und Ausland ist die Erarbeitung zukunftsweisender Gebäude- und Planungskonzepte im Geschosswohnungsbau für Gebäude mit mehr als 7m bis zu bis 22m Höhe, bzw. 30m Höhe vorgesehen. Diese Konzepte sollen durch Expertenbefragung und Kolloquien verifiziert werden, mit sachverständigen Planern und Experten von der Feuerwehr, Brandschutz- und Bauaufsichtsbehörden, Wohnbauunternehmen. Ergänzende Informationen sollen über eine Online-Befragung von Wohnungsunternehmen gewonnen werden.
Die Ergebnisse können als Grundlage einer inhaltlichen Novellierung der MHHR dienen.

Bearbeitungszeitraum: 01.05.2019 bis 15.03.2021
Antragsteller: Prof. Andreas Meck
Initiative und Projektleitung: Prof. em. Dr. Thomas Jocher
Stv. Projektleitung, Bearbeitung Konzeption Wohnbau:
Dipl.-Ing. Arch. Erika Mühlthaler, HM, FK 01
Bearbeitung Konzeption Brandschutz:
M.Sc. Thomas Engel, TUM, Fakultät Bau Geo Umwelt


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