Vorlesungsverzeichnis Masterstudiengang

Theorie 1 – Architektur

Prof. Dr. Karl R. Kegler, LB Adria Daraban


MA_21 Theorie 1 – AD_Architektur (2 Teilmodule)


BUILDING TYPOLOGIES
Teilmodul 1: Mi 10.00 – 11.30
Teilmodul 2: Mi 11.45 – 13.15
Raum 214


ECTS: 5 (2,5 + 2,5)


MA_21 Theorie 1 - AD_Teilmodul 1: Prof. Dr. Karl R. Kegler
Kulturgeschichtliche Betrachtung der Architektur


Architektur und Fragment – Neuanfang und Erinnerung

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Walter Rolfes: Die Konstruktion des Kubus. 1989.


Perfektion und Vollkommenheit sind ein Ideal der Architektur. Auf der anderen Seite stehen das Unfertige, das Zerstörte, das Fragment. Bauen bedeutet oft die Auseinandersetzung mit einem Bestand, der in ein neues Projekt integriert, fortgeführt und erweitert wird. Die Beschäftigung mit Resten und Fragmenten gehört deshalb zu den wichtigen Themen des Bauens und Gestaltens. Kann das Unfertige aber auch selbst eine Entwurfsstrategie darstellen?


Vom polnischen Architekten und Theoretiker Oskar Hansen stammt die Überlegung, dass der architektonische Ausdruck moderner Gesellschaften nicht in perfekter Symmetrie, Axialität oder Hierarchie zu finden ist, sondern in offenen Formen besteht, die vielfältige Entwicklungen zulassen. Hansens "theory of open form", entstanden im sozialistischen Polen, verdeutlicht einen spezifisch modernen Ansatz: Fragment und Collage stehen für ein Bauen, das Baustelle bleibt, mehrdeutige Lesarten ermöglicht und gestalterische Möglichkeiten offen lässt. Sie sind deshalb für das Selbstverständnis des modernen Menschen angemessener als die Perfektion eines Meisterwerks.


Das Seminar untersucht theoretische und entwerferische Strategien im Umgang mit dem Unfertigen, dem Zerstörten und dem Fragment im Spannungsfeld zwischen Verlust und Neuanfang. Eine wichtige Bedeutung haben Strategien der modernen Kunst. Das zweite Teilmodul findet in Berlin in Form eines Kompaktseminars statt.


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MA_21 Theorie 1 – AD_Teilmodul 2: LB Adria Daraban
Kulturgeschichtliche Betrachtung der Architektur



Fragmente der Moderne
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Bild: Hans Scharoun, Staatsbibliothek am Potsdamer Platz, Berlin
Foto: Adria Daraban


Als immer wiederkehrender Topos im Architekturdiskurs hinterfragt das Fragment Totalitätskategorien und Autoritätsformeln. Dabei entfaltet das Architekturpanorama verschiedene Erscheinungsformen des Fragmentarischen, die allesamt die Tragweite des traditionellen Begriffs des Werkganzen verhandeln. Diese Erscheinungsformen des Fragmentarischen in Architektur bleiben nicht beim Bild des Bruchstückhaften, des Unvollkommenen oder des Zerstörten; stattdessen verkörpern sie die Idee einer offenen, mehrdeutigen und dynamischen Raumanordnung.


Keine Stadt scheint geeigneter zu sein, um über das Fragment nachzudenken, als Berlin. In Kunst und Literatur wird Berlin oft als Metapher für die Zerrissenheit und Fragmentiertheit des modernen Menschenlebens bemüht. Die bewegte Geschichte der Stadt hat auch das räumliche Bild geprägt. Berlin ist eine Stadt der Fragmente, eine zerrissene und lebendige Stadt zugleich, die Alt und Neu virtuos miteinander verwebt.


Das Teilmodul zwei findet in Form eines Kompaktseminars statt. In Berlin werden Gebäude besichtigt, die Konzepte und Annäherungen an dem Denkmodell des Fragmentarischen in ihrer Raumanordnung aufweisen. Die TeilnehmerInnen setzen sich in Referaten mit diesen Bauwerken auseinander und untersuchen die Bedeutung des Fragmentbegriffs im architektonischen Kontext.


Exkursionszeitraum: 18-20 Mai 2019



Das Theoriemodul ist inhaltlich und organisatorisch dem Institut AD_Architectural Design | Architektur zugeordnet. Teilmodule sind nicht getrennt belegbar. Die Teilmodulleistungen gehen entsprechend ihren Leistungspunkten gewichtet in die Modulnote ein.


1. Treffen und Einführung
Teilmodul 1+2: Mittwoch, 27.03.2019, 10.00, Raum 214