Vorlesungsverzeichnis Masterstudiengang

Studio 2 AD & ADR (Auslandsprojekt)

Prof. AA Dip. Valentin Bontjes van Beek, Prof. Dipl.-Ing. Frederik Künzel


MA_01/02/03 Studio I_II_III – AD & ADR
in Zusammenarbeit mit Rotterdamse Academie van Bouwkunst, Rotterdam, NL


Do 10.00 – 13.00
Do 14.00 – 17.30
Raum N101 Infanteriestr. 13


211


ECTS: 15


ENTWURFSPROJEKT MIT INTEGRIERTEN DISZIPLINEN - HOCHBAU


Rotterdam
No City for the lighthearted?
Studio for experimental Housing Studies

studio-kuenzel  
Viele der international bekannten holländischen Architekturbüros sind in Rotterdam ansässig und dennoch ist Rotterdam auf den ersten Blick keine Schönheit.
Sie ist die größte Hafenstadt Europas und obwohl der Hafen überall präsent ist, zahlt er keine Steuern an die Stadt. Rotterdam ist eine Arbeiterstadt, eine Stadt in der man sagt: „Verdient wird das Geld in Rotterdam, ausgegeben wird es aber in Amsterdam“.
Der wahre Reichtum dieser Stadt sind ihre Bewohner, die aus über 50 Nationen stammen und Menschen mit Migrationshintergrund stellen daher auch den Hauptteil der Bevölkerung.


Nach der Bombardierung von 1940 war die Innenstadt völlig zerstört und musste komplett wieder aufgebaut werden.
Im Lauf der Zeit ist Rotterdam stetig gewachsen, aber es gibt immer noch eine Unterversorgung an Wohnungen, obgleich mehr als xxx Wohnungen im Jahr gebaut werden.
Dieses Wiederaufbauen und Wachsen macht aber auch das Wesen der Stadt aus, ihre Bewohner identifizieren sich gerne mit dem Wort „aanpoten“ (anpacken).


Die Gentrifizierung von Stadtvierteln ist bei all dem Hinzufügen von weiterem Wohnraum ein wichtiges Thema. Natürlich könnten manche Viertel der Stadt ein „up-lift“ gut brauchen und Rotterdam braucht sicher auch dringend Zuwachs aus der gehobenen Mittelschicht. Projekte dieser Art haben sich auch als durchaus erfolgreich erwiesen, aber ab wann vertreibt man mit steigendem Wohnungswert die ursprünglichen Bewohner des Viertels wie in so vielen anderen europäischen Städten? Mit dem Bauen von Wohnungen verändert sich schließlich nicht nur der Wohnungsmarkt, sondern auch die Nachfrage nach Schulen, Kindergärten, das Kaufverhalten und vor allem auch die Art der Nutzung des öffentlichen Raums.


An zwei Orten im Herzen der Stadt bietet sich die Möglichkeit und auch die Notwendigkeit einer Verdichtung. Hier möchten wir mit Ihnen konkrete Lösungen erarbeiten, jedoch nicht ohne vorher kritisch zu hinterfragen, worin der Mehrwert, die Relevanz und die Auswirkungen Ihrer Interventionen auf die jeweiligen Orte bestehen.


Post Urban
Zum einen gibt es da die Lijnbaan, die erste Fußgängerzone Europas mit ihren zwei-geschossigen Behelfsbauten. Sie wurde in den frühen 1950er Jahren sehr schnell gebaut, um die Bevölkerung wieder mit Waren versorgen zu können. Inzwischen stehen diese Bauten und die Fußgängerzone unter Denkmalschutz. Trotzdem darf hier bei Erhaltung der ursprünglichen Gebäude nachverdichtet werden. Aber was geschieht dann mit dem öffentlichen Raum? Momentan ist dieser Raum geprägt von den Waren und der Werbung billiger, internationaler Ketten, die hier die Ladenlokale mieten.


Was aber, wenn diese nur noch online verkaufen? Was, wenn über diese zweigeschossige Struktur Hunderte von Menschen wohnen, die eher Spielplätze, Lebensmittel oder Schulen brauchen statt billiger Schuhläden? Wird hier weiter nachverdichtet, so wird dies großen Einfluss auf den öffentlichen Raum der Innenstadt haben.


Post Industrial
Zum anderen gibt es die klassische Hafensituation und den wirklich verrufenen Pier Katendrecht.
Seit 2011 die Rijnhavenbrug aber diesen Pier mit dem bekannteren Wilheminapier verbindet, befindet sich Katendrecht in einem gewaltigen „up-lift“. Es wird hier überall gebaut und nachdem das Architekturbüro Mei Architects auf einer der Fenix Hallen der Holland-Amerika-Linie über 40.000 Quadratmeter Programm realisiert hat, überschlägt sich der Beliebtheitsgrad des ehemals so verrufenen Viertels förmlich. Die 212 Loftwohnungen des Projekts Fenix I sind bereits verkauft und in die ehemals alte Halle ist nun sogar das sehr bekannte Landschafts- und Architekturbüro West 8 eingezogen. Aber wie geht’s weiter? Wird so nicht die Identität des ehemals „Hafen-atmenden“ Piers ausgelöscht?
Die Stiftung Droom en Daad (Traum und Tat) durfte die zweite Halle Fenix II kaufen, denn die Stadt weiß, dass an dieser Stelle nicht ausschließlich Marktkonformes angeboten werden sollte.
Aber was soll und will Droom en Daad hier entwickeln? Welches Angebot wird gebraucht, welches Programm gilt es zu realisieren, wenn man marktwirtschaftliche, aber auch soziale Mechanismen nicht völlig missachten will?


Entwickeln Sie mit uns ein echtes Stück Stadt, etwas, was einen Beitrag liefert, auch für die Bevölkerung Rotterdams, mitten in der Höhle des Löwen!
Das Studio beinhaltet eine 5-tägige Exkursion in der Nach-Oster-Woche mit integriertem Workshop an der Rotterdammer Akademie für Baukunst.



Das Studio ist inhaltlich und organisatorisch dem Institut AD_Architectural Design | Architektur zugeordnet.


1. Treffen und Einführung: ‚folgt‘